Der Urlaubsantrag ist genehmigt, die Koffer sind gepackt, der Kanarienvogel ist in guten Händen, ab zum Flughafen – die Reise kann beginnen. Fast jeden von uns zieht es mindestens einmal im Jahr zu einem längeren Aufenthalt ans Meer, in die Berge, in die Wüste oder in den Urwald.
Wir Deutschen sind als Reiseweltmeister bekannt: Im ersten Tourismushalbjahr 2008 verreisten 38 Prozent der Haushalte in Deutschland. Und die Tourismusbrache ist weltweit ein bedeuteter Wirtschaftszweig. Für die kommenden Jahre erwartet die Branche – trotz Finanz- und Wirtschaftskrise – ein Wachstum von 3 bis 4 Prozent.
2008 wurden 19,8 Millionen Reisen ins Ausland unternommen. Vor allem das Fliegen wird immer billiger und damit für immer mehr Menschen interessant. Denn wer träumt nicht von einem Strandurlaub in Thailand? Fliegen ist aber auch das energieintensivste Fortbewegungsmittel. So ist zum Beispiel ein Flug nach Teneriffa und zurück so klimaschädlich wie ein Jahr lang Auto zu fahren. Sehr beliebt bei Auslandsreisen sind Kurztrips von zwei bis vier Tagen. Inlandsreisen hingegen dauern immer länger: Hier wählen 74 Prozent der in Deutschland Ansässigen das Auto als Fortbewegungsmittel. Damit verursacht der Urlaubs- und Freizeitverkehr fast die Hälfte der durch Autoverkehr ausgestoßenen CO2-Emissionen.
Der Energieverbrauch bei der An- und Abreise dürfte sicherlich die größte Umweltauswirkung des Tourismus haben. Doch auch der Flächenverbrauch, zum Beispiel durch den Bau neuer Hotelanlagen, die Ver- und Entsorgungsdienstleistungen und die Gewässernutzung sind nicht zu vernachlässigende Aspekte. Gleichzeitig ist die Tourismusbranche ganz besonders auf eine intakte Umwelt angewiesen. Wer will schließlich am Urlaubsort durch Wetterextreme zerstörte Landschaften und marode Wälder vorfinden? Oder blanken Fels, wo früher Gletscher waren?
Müssen wir also künftig alle Urlaub auf Balkonien machen? Nein! Eigentlich genügt es, die eigenen Reisegewohnheiten einmal zu hinterfragen: Sollen wir wirklich fünfmal im Jahr zum Shopping quer durch Europa oder für eine Woche nach Dubai fliegen? Oder entscheiden wir uns für eine längere Reise und entdecken gleich drei Wochen lang den Orient? Warum fahren wir zum Aktivurlaub nicht in die Rhön statt nach Kanada?
Staufrei mit der Bahn oder stressfrei mit dem Bus an Ziel kommen – viele Organisationen und Reiseveranstalter haben attraktive Alternativen zur Anreise mit dem Flugzeug oder dem eigenen PKW. Und immer mehr Unterkünfte aller Kategorien bieten spannende Freizeitangebote per Shuttle-Service und klimaschonende Verpflegung mit regionaler oder saisonaler Küche.
Verfasser: Verbraucherzentrale Hessen e.V.